Freitag, 7. Februar 2014

Geld sparen: wofür ? Kapital Investieren: wie?
Erster Teil: ökonomische Grundgedanken.



Seit 2008 kann man nicht mehr über Ökonomie sprechen ohne den Begriff „Krise“ zu erwähnen. Aber wer die Wirtschafsgeschichte kennt, weiß auch, dass dies schon immer der Fall: Krisen sind in allen Epochen und Kulturen eine stetige Begleiterscheinung der Wirtschaftsentwicklung. 
Es gibt darüber sehr viele Theorien, die Krisen zu erklären versuchen, bzw. sie prognostizieren wollen (dies mit sehr geringem Erfolg bisher); allen Krisen gemeinsam ist jedoch ein einziger Aspekt: sie entstehen wenn die Ungleichheiten in der Vermögenverteilung wachsen, was sehr oft dazu noch zu sozialen Spannungen und Konflikten und nicht selten zu Kriege. Eine sozialere Umverteilung und eine Reduzierung der Unterschiede in der Vermögenbildung ist dagegen eine der unabdingbaren Bedingungen jeder wahren Demokratie und auch die Beste Voraussetzung, um die Wirtschaftskrisen zu vermeiden oder deren Impact zu reduzieren.
Jene Staaten, in denen die sozialen Unterschiede kleiner sind, haben bekanntlich stabilere und demokratischere Regierungsformen und kennen seltener Krisen, und umgekehrt, je höher die gesellschaftlichen Unterschiede, desto unstabiler und unregierbar wird ein Land (also einerseits z.B. Skandinavien, und anderseits Südeuropa und Afrika).
Schon Nicolò Machiavelli hatte  im 15 Jahrhundert beim kommentar der Schriften vom römischen Historiker Titus Livius festgestellt:
„Die Natur hat die Menschen so geschaffen, dass sie alles wünschen aber nicht alles erreichen  können, und somit, weil das Begehren immer größer als die Möglichkeiten ist, entsteht deren Unzufriedenheit. Auf dieser Tatsache beruhen  die Vermögensunterschiede, weil die einen mehr haben möchten, und die anderen befürchten, das Erreichte zu verlieren: somit entstehen Konflikten und Kriege.“  (N.Machiavelli, Discorsi sulla prima deca di Tito Livio, Ed. Nazion., 2001, S. 177-178, meine Übersetzung)

Zwei Jahrhunderte später finden wir bei Charles de Secondat, Baron de Montesquieu, einen Vorschlag, um dieses Problem zu lösen:
„ Obgleich in der Demokratie die wahre Gleichheit die Seele des Staates ist, so ist sie doch so schwer aufrecht zu erhalten, dass eine übergroße Peinlichkeit in dieser Beziehung nicht immer angemessen sein würde. Es genügt, wenn man Steuerklassen einführt, die den Unterschied vermindern oder bis zu einem gewissen Grade fest bestimmen; dann ist es die Aufgabe besonderer Gesetze, die Ungleichheiten durch Lasten, welche sie den Reichen auferlegen, und durch Entlastung, welche sie den Armen gewähren, sozusagen auszugleichen.
 In: Geist der Gesetze (Esprit des lois) 1748 (Dieses Buch wurde übrigens von der Katholischen Kirche in die Liste der verbotenen Schriften aufgeführt).
Es sind Gedangen eines Aristokraten, wenn auch demokratisch gesinnt. Heutzutage würde man sofort dahinten einen Sozialist wenn nicht gar einen Kommunist vermuten, aber wie man sieht, es ist nicht nötig Marx zu bemühen (der übrigens viele seiner Gedanken auch aus beiden oben genannten Autoren entnommen hat) um die Irrwege der gegenwärtig herrschende und menschenfeindliche neoliberistische Ökonomie zu erkennen: schon die bürgerlichen Denker liefern die  notwendigen Argumente.      
Auch abgesehen von moralischen Überlegungen, die Bewertung der Ungleichkeit als Ursache von Konflikten  und daher schon rein ökonomisch schädlich, ist bis heute ein zentrale Aspekt aller fundierten Wirtschaftstheorien geblieben:  Der Nobelpreisgträger für Ökonomie Joseph Stiglitz hat Ursachen und Folgen der steigenden gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Armen und Reichen in den gegenwärtigen Gesellschaften untersucht und sie als die größte Gefahr für die Demokratie und den Frieden in seinem letzten Buch (2012) dargestellt  (The Price of Inequality. How today’s divided society endangers  our future). Darin hat er  Wege aus dieser Entwicklung skizziert, die nur durch einer Abkehr aus der neoliberistischen Ökonomie  möglich erscheinen.   

Von einer befriedigenden Lösung dieses Problem sind wir jedoch weit entfernt, und noch schlimmer, wir bewegen uns zunehmend in die Gegenrichtung, denn die Ungleichheiten nehmen unmißverständlich und gewaltig zu! Und dies sowohl innerhalb der einzelnen Staaten wie auch im internationalen Vergleich. Um noch deutlicher zu sein: die strukturell bedingten Unterschiede der Wirtschaftsentwicklungen, z.B.  in der europäischen Union, werden immer größer, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ausseinander driftet und zerbricht. Kaum jemand scheint den Widerspruch zwischen der nur noch als Lippenbekenntniss beschworene „Kooperation“ und der mit allen Kräften praktizierten „Kompetitivität“ der Nationalökonomien in der EU zu merken! Effizienz und Innovation werden schlichtweg durch den Begriff „Kompetitivität“ ersetzt. Aber die darauffolgende Maßnahmen (Reduzierung der Arbeiterrechte, Lohnverzicht, Abnahme der reellen Kaufkraft, Stellenabbau und Leiharbeit) sind doch alles anders als innovativ, denn ihr Ergebnis ist lediglich die sich ständig vergrößende Kluft zwischen Reichen und Armen, national wie international.
Die als höchste Form der Zivilisation und als Wundersalbe für alle Probleme dogmatisch erhobene „Kompetitivität“ ist also näher gesehen nichts Anderes als eine nicht hinterfragte  Rechtfertigung dieser zivilisationszerstörende und kurzsichtige Politik.     
Im kapitalistischen System sind nur Korrekturen und Begrenzungen der o.g. gefährlichen und ruinöseren Tendenzen möglich, wesentliche Nachbesserungen sind nur durch eine grundlegende Systemveränderung zu erwarten. 
Andererseits, es stehen z.Z. keine andere Systeme parat, die mit Sicherheit Erfolg versprechen, wobei es ist denkbar, dass der erste Schritt eine Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft sein könnte, gepaart auf internationaler Ebene mit einer Zügelung der Globalisierung und der Deregularisierung im allmächtigen Finanzsektors.
Was eine Gesellschaft an politischen Veränderung herbeiführen soll, um sich von dieser mießlichen Lage zu befreien, ist also nicht Gegenstand dieses Beitrags, denn folgenden Überlegungen und Hinweise sind als begrenzte Möglichkeit innerhalb des bestehenden Systems zu verstehen: was kann der Einzelne tun, um der Umverteilung von unten nach oben entgegen zu wirken.
Um diese Frage zu beantworten mangelt es nicht an Büchern, und ganze Abteilungen von Investmentberatern bei Banken, Versicherungen, Fonds und Vermögen-management tun nichts anderes als immer neue und bessere Wege zu erfinden, um die Idealgestaltung der Gewinnmaximierung bei gleichzeitigem minimalen Risiko zu erreichen.    
Im kapitalistischen System ist die Lösung dieser Gleichung unmöglich, also nur mit Abstrichen teilweise realisierbar, denn Gewinn und Risiko bewegen sich proportionell in gleicher Richtung: je größer die Gewinnchancen, desto höher das Risiko, den Kapitaleinsatz teilweise oder ganz zu verlieren.
Diese Erkenntnis ist elementar, und trotzdem werden fast täglich Beispiele von geprellten Investoren bekannt, die blauäugig Beratern geglaubt haben, die ihnen hohe Gewinne ohne ein entsprechendes höheres Risiko versprochen haben.

Um diesen logischen Widerspruch zu erkennen genügt ein einfaches Gedanenexperiment:  Wenn alle Bürger ihre Ersparnisse mit den gleichen Chancen und auf der gleichen Weise als Kapital arbeiten lassen würden und könnten, entsprechen die Erträge logischerweise der genauen Höhe des Wirtschaftswachstums: in Zinsen ausgedrückt, zur Zeit z.B. knapp über Null, wenn inflationsbereinigt. Höhere Gewinne von einigen wären also mathematisch nur auf Kosten von anderen möglich, denn der Kuchen, also Bruttonationaleinkommen (BNE), ist eine feste Größe, und es ginge dann nur um seine Verteilung. 
So plausibel wie es auch zunächst erscheinen mag, ist dieser Gedankenexperiment trotzdem falsch interpretiert. Denn die Ergebnisse von Investitionen in der Realwirtschaft hängen von vielen Einzelfaktoren ab, aber vor allem von den Erträge der Produzenten und diese wiederum von dem Erfolg der Produkten auf den Märkten. Es ist also praktisch unmöglich, dass alle die gleichen Erträge erhalten. Und darin besteht auch der Sinn des Aktienhandels: denn bei gleichen Erträgen und aussichten würde keiner seine Aktien mit anderen Tauschen, also es würde auch kein Handel stattfinden und existierte auch keine Börse.
Eine gleichmäßige Verteilung des Sozialproduktes wird also nie geben. Lediglich das Parken des Kapitals kann gleiche Erträge für alle bringen aber nur in Höhe der üblichen Bankzinsen oder der Staatsanleihen möglich, wobei schon bei diesen Wertpapieren ein gewisses Risiko beinhaltet ist, so dass je nach Staat, höhere oder niedrigere Zinsen möglich sind. Und hier fängt also auch das Risiko, von Negativzinsen bei höchster Sicherheit, bis haarstreubender Verzinsung in 20-30 % Höhe bei Schuldverschreibungen von Staaten, die als Pleitekandidaten gelten. Und dabei sind natürlich die Banken die den größeren Teil aus Zinsunterschieden und Kommissionen kassieren.   
Diejenigen die professionell damit jonglieren, in aller Regel mit Geldern der Anleger, können die Marktbewegungen ausnützen, um bei geglückten Käufen und Verkäufen von Wertpapieren Gewinne erzielen, die weit über das Wirtschftswachstum liegen, aber ebenfalls auf Kosten derjenigeen, die an der Verliererseite stehen.
Kapital im Sinne vom Erspartes zu investieren ist jedoch mindestens in einem Fall sowohl ökonomisch sinnvoll wie auch moralisch vollkommen legitim: wenn man damit das Wirtschaftswachstum fördert und somit die Beschäftigung  in der Gesellschaft unterstützt und die Arbeitslosigkeit vermindert.
Sparen ohne zu investieren ist dagegen sinnlos und selbst moralisch nicht zu rechtfertigen. Sogar in der Bibel und im Koran ist das „Vergraben von Münzen“ (und das Zinserheben aus Darlehen) als Sünde bezeichnet, und dies ist auch rein ökonomisch eine falsche Investition, denn dadurch wird der Wirtschaft die Grundlage des Wachstums entzogen, und öffnen sich gleichzeitig die bekannten Spiele mit der Geldvermehrung/Geldvernichtung, die von den primitiven Wucherer Methoden bis zu den heutigen Derivatengeschäften eine enorme Entwicklung erlebt haben: selbst die ausgeklügelsten mathematischen Raffinatesse der Future Berechnungen und Optionshandelstrategien können nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich dabei immer und lediglich um ein Umverteilungsspiel handelt, bei dem eine Minderheit klügere wenn nicht kriminellere Akteure (s. Schneeballkonstuktionen, Ponzi-Schemas, Manipulierung der Index – Libor z.B.,) die Mehrheit der Anleger um ihre Ersparnisse erleichtert.
(zweiter Teil folgt)

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